Erntebilanz: Raps und Getreide leicht unter dem Durchschnitt

ErntebilanzOldenburg. Nachdem Raps und Getreide in Niedersachsen gedroschen sind, zieht die Landwirtschaftskammer eine erste Bilanz. Danach fiel sowohl die Raps- als auch die Getreideernte leicht unterdurchschnittlich aus. Bemerkenswert sind wieder einmal die starken regionalen Schwankungen bei den Erträgen. Basis für diese Aussagen sind eine aktuelle Prognose des Landesamtes für Statistik Niedersachsen (LSN) sowie kammereigene Versuche und Beobachtungen. Zwei Faktoren waren für die zum Teil extremen Ertragsunterschiede verantwortlich: die regional sehr unterschiedliche Regenverteilung und das Wasserspeichervermögen der Ackerböden. Auf den guten Ackerbaustandorten, die auch noch einigen Regen abbekommen hatten, wurden teilweise Spitzenerträge erzielt. Auf sehr leichten Böden in Regionen mit geringem Niederschlag konnten nur schlechte Erträge eingefahren werden.

In den typischen Beregnungsregionen wurden die Wassermengen für Getreide deutlich reduziert. Die begrenzten Wasserkontingente wurden bevorzugt für wirtschaftlich besonders interessante Kulturen wie Kartoffeln, Zwiebeln oder Zuckerrüben genutzt.

Die Erträge im Einzelnen:

Raps: Die Winterrapsernte konnte erneut in weiten Teilen Niedersachsens nicht überzeugen. Lediglich in den Marschen waren die Landwirte durchweg zufrieden. Die Durchschnittserträge liegen bei 34,6 Dezitonnen je Hektar (dt/ha) und damit etwa 3,7 dt/ha unter dem langjährigen Mittel von 2012 bis 2017, aber höher als im sehr schwierigen Jahr 2018. Allerdings ist die Spanne der diesjährigen Ernte gewaltig und bewegt sich zwischen 20 und 50 dt/ha. Insgesamt könnte der Anbauumfang zur Ernte 2020 weiter rückläufig sein.

Gerste: Die Ernteerträge der Wintergerste liegen mit rund 72 dt/ha knapp unter dem Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2017. Die Erträge bewegen sich in einer Spanne von geschätzt 45 bis über 100 dt/ha. Der in ihrer Entwicklung frühen Gerste kam zugute, dass die Trockenheit anders als im Vorjahr erst später einsetzte.

Weizen: Im Gegensatz zur Gerste litt der in seiner Entwicklung spätere Weizen deutlich stärker unter der Trockenheit, die bei ihm in die Phase der Ertragsbildung fiel. Das galt besonders für Bestände, die erst nach späträumenden Vorfrüchten wie Zuckerrüben oder Mais eingesät werden konnten, da hier die Vorfrüchte die Bodenwasservorräte länger beanspruchten. Unter Trockenstressbedingungen hatten früh abreifende Sorten leichte Vorteile. Die Erträge bewegten sich zwischen 40 bis 110 dt/ha und liegen im Schnitt bei leicht unterdurchschnittlichen 82 dt/ha.

Braugerste: Bei der Braugerste wurden die durchschnittlichen Erträge des Vorjahres, die nur dank intensiver Beregnung gedroschen wurden, nicht erreicht. Im Durchschnitt wurden 50 dt/ha (geschätzte Spanne von 30 bis 70 dt/ha) gedroschen. Damit liegen die Erträge auf dem Niveau des Vorjahres, aber etwa 8 dt/ha unter dem Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2017. Höhere Erträge und auch bessere Qualitäten wären bei einer intensiveren Beregnung möglich gewesen.

Bio-Anbau: Die Öko-Betriebe erreichten nach Beobachtungen des LSN dieses Jahr bei den Wintergetreidearten überwiegend zufriedenstellende Erträge. Auch hier differierten die Ergebnisse regional stark. Die Öko-Wintergerste profitierte als früheste Getreideart von der erst später einsetzenden Trockenheit und fuhr verbreitet erfreuliche Erträge ein. Die Öko-Wintertriticale (Züchtung aus Weizen und Roggen) konnte teilweise nicht zufriedenstellen. Auf Böden mit guter Wasserverfügbarkeit wurden dagegen gute Erträge erzielt. Gleiches gilt für Öko-Winterweizen und Öko-Dinkel. Der Öko-Winterroggen kam erwartungsgemäß mit den trockenen Witterungsbedingungen am besten zurecht und erreichte überwiegend gute Erträge. Die eingefahrenen Qualitäten waren insgesamt gut bis zufriedenstellend.