EU stoppt Vectoring-Pläne der Telekom

Brüssel/Leer. Die EU-Kommission legt die Vectoring-Pläne der Deutschen Telekom zum Breitband-Ausbau vorläufig auf Eis. Sie will genau prüfen, ob die Pläne mit europäischem Recht vereinbar sind. Der SPD-Europaabgeordnete Matthias Groote, der zu diesem Thema vor einem Monat eine Anfrage an die Kommission gerichtet hatte, sieht seine Skepsis bestätigt. Er fürchtet ein neues Telekom-Monopol und sieht den Glasfaser-Ausbau auf dem Lande gefährdet. Vectoring ist ein technisches System, mit dem die Telekom ihre alten Kupferleitungen auf eine höhere Datengeschwindigkeit bis 100 Mbit pro Sekunde aufrüsten will. Groote: „Das reicht auf Sicht bei weitem nicht.“

Vectoring ist eine Übergangstechnik. Sie könnte den dringend nötigen Ausbau mit Glasfaser verzögern, was auch die EU-Kommission nicht ausschließt und deshalb untersuchen will. Sie wird in den nächsten drei Monaten vorrangig mit der Bundesnetzagentur verhandeln, die die Telekom-Pläne befürwortet. Auch die EU-Regulierungsbehörde wird eingeschaltet.

Matthias Groote begrüßt die strenge Prüfung („in-depth investigation“): „Die Vergoldung der Kupferleitungen der Deutschen Telekom durch Vectoring muss warten.“ Gegen die Telekom-Pläne laufen auch Energiekonzerne wie die EWE Sturm. Sie fühlen sich vom Wettbewerb ausgeschlossen.

Heute Nachmittag (Dienstag) traf sich EU-Kommissar Günther Oettinger mit deutschen Europaabgeordneten zu einem Gespräch über die Vectoring-Pläne. Bereits am Mittag hatte Oettinger in einem Tweet die „in-depth investigation“ angekündigt und die Richtung vorgegeben: „I will lead discussion with bnetza“ - deutsch: „Ich werde eine Diskussion mit der Bundesnetzagentur führen.“