Brexit wirkt sich bisher kaum auf Konjunktur aus

IHK KonjunkturklimaindexOldenburg. „Der Brexit ist derzeit in aller Munde, wirkt sich aber kurzfristig kaum auf die wirtschaftliche Entwicklung im Oldenburger Land aus“, kommentiert Dr. Joachim Peters, Hauptgeschäftsführer der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK), das Ergebnis der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage bei rund 500 Unternehmen. Zwar äußern sich einige Unternehmen – vor allem aus der Industrie und dem Großhandel – besorgt über den Ausstieg Großbritanniens aus der EU. Sie erwarten aber zumindest für die nächsten Monate noch keine gravierenden Auswirkungen auf ihr Geschäft. Auch die deutschlandweite Umfrage der IHK-Organisation hat gezeigt: Die Unternehmen rechnen während der voraussichtlich zweijährigen Verhandlungsphase zumindest mit einem konstanten bilateralen Handel. Mittelfristig dürften die Ex- und Importe aber sinken, so Peters. In unserer Region halten sich aktuell Optimisten und Pessimisten bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung in den nächsten Monaten annähernd die Waage.

„Die gegenwärtige Konjunktur ist robust, hierfür sorgt auch weiter die kräftige Binnennachfrage “, so der Hauptgeschäftsführer. 36 Prozent der befragten Unternehmen berichten über eine gute Geschäftslage, lediglich 12 Prozent sind unzufrieden. Derzeit laufen die Geschäfte im Baugewerbe, im Großhandel sowie im Dienstleistungsgewerbe gut. Auch das Verkehrsgewerbe und der Einzelhandel sind insgesamt zufrieden. Nur die Industrieunternehmen äußern sich zurückhaltender. Während hier Ernährungsgewerbe, Kunststoffindustrie sowie Schiffs- und Bootsbau eher positiv über die derzeitige Lage berichten, sind Unternehmen aus dem Maschinenbau und der Metallerzeugung und -bearbeitung eher unzufrieden. Der IHK-Konjunkturklimaindex, das Stimmungsbarometer der Region, fällt geringfügig um 1,6 Zähler auf 112,5 Punkte.

„Auch auf die Investitionsplanungen der Unternehmen wirkt sich die Brexit-Diskussion bisher nicht aus“, so Peters. Die meisten Unternehmen wollen ihr Investitionsniveau halten – reagieren also eher abwartend. Dies gelte vor allem für die Industrie. Verkehrsgewerbe und Großhandel rechnen allerdings mit sinkenden Investitionsvolumina. Die Beschäftigung dürfte in den nächsten Monaten leicht zunehmen.

„Wir dürfen aber nicht die anderen Risiken außer Acht lassen“, warnt der IHK-Hauptgeschäftsführer. Mittlerweile sehe jedes zweite befragte Unternehmen in den derzeitigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein Risiko. Änderungen bei den Zeitarbeits- und Werkvertragsbedingungen, eine möglicherweise mittelstandsbelastende Reform der Erbschaftsteuer, zunehmende bürokratische Hemmnisse – all dies behindere die Unternehmen in ihrem geschäftlichen Alltag und bei den langfristigen Planungen. „Das sind alles Stellschrauben, an denen die Politik etwas ändern kann – im Gegensatz zum Ausstieg Großbritanniens aus der EU. Gerade, wenn uns die ersten Ausläufer des Brexits erreichen, brauchen wir keine weiteren Hürden, sondern eine robuste Wirtschaft“, so Peters.

Die Branchen im Einzelnen:
Obwohl die Umsätze in der Industrie leicht gestiegen sind, bleibt der Auftragseingang hinter den Erwartungen zurück. Nach wie vor wird der Auftragsbestand von über einem Drittel der Befragten als zu klein bewertet. Zudem hat sich die Ertragslage bei vielen Unternehmen im Vergleich zum Vorquartal verschlechtert.

Die Auftragslage im Baugewerbe ist weiterhin gut, und auch die Ertragssituation hat sich in vielen Betrieben im Vergleich zum Vorjahresquartal deutlich gebessert. Jedes dritte Unternehmen berichtet über eine Auftragsreichweite von vier und mehr Monaten, die Hälfte von zwei bis drei Monaten.

Die Stimmung im Einzelhandel hat sich gegenüber dem Vorquartal etwas verbessert. Die Branche konnte insgesamt nur leicht von der Fußball-Europameisterschaft 2016 profitieren. Das für die Jahreszeit untypisch regnerische Wetter wirkte sich negativ auf die Kauflaune der Kunden aus.

Der positive Start in das Geschäftsjahr 2016 hat sich für die Großhandelsunternehmen auch im zweiten Quartal fortgesetzt. Mehr als die Hälfte bewertet die Geschäftslage als gut. Vor allem die Stimmung im Großhandel mit Maschinen, Ausrüstungen und Zubehör hat sich im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Jahres nochmals deutlich verbessert.

Im Transport- und Logistikgewerbe ist das Umsatz- und Beförderungsvolumen im Vergleich zum Vorquartal leicht gestiegen. Lediglich ein Fünftel der befragten Unternehmen berichtet von Rückgängen. Wieder anziehende Dieselpreise drücken die Stimmung. Dennoch berichten noch immer 89 Prozent der Unternehmen von einer guten oder befriedigenden Geschäftslage.

Wie schon zu Beginn des Jahres bewertet ein Großteil der Unternehmen in der Dienstleistungswirtschaft trotz eines leichten Abwärtstrends die gegenwärtige Geschäftslage positiv. Die Unternehmen des Grundstücks- und Wohnungswesens schätzen die jetzige Situation sogar noch besser als die im Vorquartal ein. Anbieter von überwiegend unternehmensbezogenen Dienstleistungen sowie Unternehmen der Medienwirtschaft und IT verzeichnen hingegen aktuell eine schlechtere Geschäftslage.