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#jescotrifft - Als Polizistkomparse bei Ostfriesensünde

ostfriesensuendeOstfriesland. Ostfriesland und seine Krimis ziehen an. Die Romanverfilmung von Klaus-Peter Wolfs Bestseller „Ostfriesensünde“ erreichte am Sonnabend 7,24 Millionen Zuschauer. Somit war die dritte Verfilmung der Reihe an diesem Tag Quotensieger. Regisseur Rick Ostermann hatte neben dem Vorgänger „Ostfriesenblut“ nun auch „Ostfriesensünde“ ganz nach oben katapultiert – dank der hervorragenden schauspielerischen Leistung aller Beteiligten und der knisternden Spannung, die eher an einem skandinavischen Krimi erinnerte. Doch das sahen nicht alle so. Nach der Ausstrahlung gab es auch viel Kritik auf der Facebookseite des ZDFs. Einigen fehlte die Spannung, andere kritisierten die Darstellung der Ann-Kathrin Klaasen, wieder andere stellten nur fest, dass der Film nichts für sie war. Die positiven Stimmen aber überwiegten deutlich. Die schauspielerische Qualität und die tollen Kameraeinstellungen wurden viel gelobt.

Auch in „Ostfriesensünde“ durfte ich als Komparse in meiner Rolle als Polizeioberkommissar Funke dabei sein. Die Dreharbeiten im Sommer waren dazu besonders aufregend, ja sogar noch spannender als zu „Ostfriesenblut“, da ich ganz spannende Einsätze zugeteilt bekam. Unter anderem wurde in Norden mitten in der Fußgängerzone gedreht. Ein leerstehendes Geschäft wurde zur Bank umgebaut, ein Stuntman angeheuert, der die Hauptdarstellerin Christiane Paul in ihrer Rolle von Ann-Kathrin Klaasen entwaffnen und zu Boden drücken sollte, später dann auch noch einen Krankenwagen als Fluchtwagen mit quietschenden Reifen fuhr und und und. Ein riesiger Aufwand und ich mittendrin. Wow, einfach toll. Als der Stuntman Christiane Paul zu Boden reißt, nehme ich die Waffe entgegen und ziehe das Magazin heraus. Als der Stuntman den Krankenwagen fährt, soll ich mit Kollegen und gezogener Waffe auf jenen zustürmen. Ja, das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Umso größer war dann die Enttäuschung am Samstagabend. Nur eine kurze, schnell aneinander geschnittene Sequenz war von diesem ganz großen Drehtag zu sehen - und mein Rücken.

Da ist wohl das leidige Brot eines Komparsen. Meine Sprechrolle am Funkgerät fiel der Schere ebenso zum Opfer. Aber das waren ja nicht die einzigen Szenen und sehe mich gerade im Polizeirevier im Hintergrund entlang laufen. Aber es kommt ja noch die ganze Stürmung des verfallenen Gebäudes mit meiner Komparsenkollegin Svenja und dem SEK. Was war das für ein Spaß an diesem Tag. Die Sonne knallte zwar vom Himmel, aber mit dem SEK ein Haus zu stürmen ist schon lustig. Svenja und ich sollten die Nachhut sein. Auch wurden von uns einzelne Aufnahmen gemacht, wie wir vor der Stürmung des Gebäudes alles vorsichtig durchsuchten. Am Ende blieb nichts, rein gar nichts übrig. Alles weg. Der komplette Dreh. Schade, denke ich mir. Aber so ist das wohl im Filmgeschäft.

„Ostfriesensünde“ ist, obwohl es vom gleichen Regisseur gemacht wurde, ganz anders aufgebaut als „Ostfriesenblut“. Tatsächlich hat mir persönlich der vorherige Teil besser gefallen. Das lag zum einen sicherlich daran, dass in „Ostfriesenblut“ mit Jörg Schüttauf ein absoluter Charakterdarsteller als Bösewicht gefunden wurde, der dem Film eine ganz besondere Würze verlieh. Diese Würze fehlte der „Ostfriesensünde“, zumal der Zuschauer bei „Ostfriesenblut“ schnell informiert wurde, wer der Täter ist, bei „Ostfriesensünde“ aber fast bis zum Ende im Dunklen gelassen wird. Etwas schwerfällig entwickelt sich die Handlung bei „Ostfriesensünde“, wobei etwas der Spannungsfaden leidet. Wer das Buch kennt, wird merken, dass ein wesentlicher Handlungsstrang komplett fehlt. Die ganze Geschichte um Ann-Kathrin Klaasens Vater und die Aufklärung seines Todes sowie die lebensbedrohliche Situation, in der dadurch die Kommissarin gerät, fehlt in dem Film. Aber vielleicht ist das auch gut so, denn ansonsten wäre der Film in den rund eineinhalb Stunden handlungstechnisch viel zu überfrachtet gewesen.

Wer in „Ostfriesenblut“ etwas unterging, nun aber in „Ostfriesensünde“ einen großen Auftritt hatte, war Barnaby Metschurat in der Rolle des Rupert. Diese unangenehme Widerlichkeit stellte er blendend dar. Es macht eine pure Freude allein das Mimenspiel des Schauspielers in dieser Rolle zu sehen. Für mich ganz persönlich ist Barnaby Metschurat derjenige, der in „Ostfriesensünde“ vor allen anderen glänzt – was sicherlich auch dem Drehbuch dieses Mal geschuldet ist. Christian Erdmann als Frank Weller kommt fast gar nicht zum Zug und geht in der Handlung ein wenig unter. Christiane Paul als Hauptdarstellerin steht natürlich im Vordergrund und liefert gewohnt gut ab.
Constantin von Jascheroff als böser Maurer kam bei mir leider gar nicht an. Das Psychopathische des Täters erreichte mich gar nicht - kein Vergleich zu Jörg Schüttauf im vorherigen Film.
Bleibt noch Ubbo Heide, der von Kai Maertens wieder grandios gespielt wird. Er spiegelt den wunderbar drögen Norddeutschen wider ohne dabei unnatürlich zu werden. Ich mag ihn sehr und würde mich freuen, wenn er in den nächsten Verfilmungen mehr in den Vordergrund gerückt werden würde.

In diesem Frühjahr sollen die Dreharbeiten zu „Ostfriesengrab“ losgehen. Schiwagofilm, die auch die anderen drei Ostfriesenkrimis realisiert haben, wagen sich auch an dieses düstere Buch. Ich bin sehr gespannt, ob ich als Komparse wieder dabei sein darf, wen ich von all den ganzen Komparsenkollegen wieder sehe und wie schlussendlich das Ergebnis aussehen wird.

 

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