Kommentar: Warum 007 immer noch beliebt ist

sean conneryKommentar. Es scheint eine Modeerscheinung zu sein, alles, aber auch wirklich alles nur noch in schwarzweiß zu sehen. Die Diskussionen über die Bond-Reihe ist da ein hervorragendes Beispiel. So titeln Zeitungen, dass James Bond´s Zeit abgelaufen sei. Ist sie das? Nein, im Gegenteil sogar. Superhelden haben Konjunktur. Damit meine ich nicht die durchgestylten, fantasievollen Granitheros aus den Marvelfilmen, sondern die geheimnisvollen Typen, die neben Dir an der Bar sitzen, die eben nicht politisch korrekt sind und die auch einmal einstecken müssen. Bond hat sich weiterentwickelt. Das hat er immer schon getan. Kein Bond gleicht dem anderen und auch der derzeitige Bonddarsteller Daniel Craig brachte seinen eigenen Stil mit. Härter, böser, gewaltbereiter. Aber schauen wir doch einmal in die Kinolandschaft heraus. Immerhin scheinen ja einige Filmkritiker der Meinung zu sein, dass ein Geheimagent à la 007 keine Zukunft hat.

Schon vor einigen Jahren prügelte sich Liam Neeson in den 96 Hours-Filmen über den Bildschirm. Als Ex-CIA Agent Bryan Mills schafft er einen Charakter, den das Publikum liebt. Oder was ist mit Tom Cruise als Jack Reacher, der ebenso nahezu übermenschlich cool seine Feinde in den Erdboden stampft. Nicht zuletzt sei noch John Wick erwähnt, ein ehemaliger Auftragskiller, der seinen Hund rächt und so wahnsinnig abgebrüht herüber kommt, dass der Zuschauer ihn nur lieben muss und unglaubliche Einspielergebnisse weltweit einfuhr. James Bond passt da perfekt rein und zwar genauso, wie er jetzt gerade ist. Anzeichen für ein Ableben dieser Charakterfiguren sind absolut nicht zu erkennen. Das Publikum lechzt nach schroffen Helden, die kultige Umweltsünder fahren, ballernd durch die Geschichte hechten und sich eben nicht vegan ernähren. Und warum? Weil unsere Welt sich derzeit genau anders herum dreht. Umweltprobleme, Klimaerwärmung, schlechte Ernährung, und und und – ja, wir müssen auf das alles jetzt achten. Wir kaufen eben keine Plastiktüten mehr an der Kasse, greifen zur Biogurke und verzichten auf Erdbeeren zu Weihnachten aus Chile. Deswegen lieben wir diese Filme, weil sie uns in eine Welt entführen, die eben anders ist. Ich brauche keinen Helden, der mir in einer versteckten Botschaft mitteilt, dass Fleischessen eine schlechte CO2 Bilanz hervorruft. Ich will James Bond, der sich nach einem brutalen Handgemenge das Messer aus den Rippen zieht, sich einen Wodka-Martini gönnt und die nächste Blondine verführt. Der Film ist eine Fantasiewelt, die mich entführen soll wie ein Traum in der Nacht. Und morgen früh stehe ich dann wieder auf dem Wochenmarkt und kaufe regionale Produkte in einen mitgebrachten Jutebeutel.

Jesco von Moorhausen