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Zu Fuß von Wiesbaden nach Wilhelmshaven

schiradinRegion. Zwei Frauen, zwei Freundinnen, zwei Abenteuerinnen machen sich in ein paar Tagen auf, um von Wiesbaden nach Wilhelmshaven zu wandern - und das nur in 16 Tagen. Die rund 500 Kilometer lange Strecke ist eine Herausforderung und gleichzeitig ein Ziel für Vici und Jenny. Ich sprach mit Jenny kurz vor dem Beginn ihrer langen Wanderung über ihre Planungen, warum sie es machen und was sie sich davon erhoffen.


Wer seid Ihr? Mögt Ihr Euch kurz einmal vorstellen. Wie alt, welchen Beruf und welche Interessen und was verbindet Euch beide?

Vici (30) und ich (35) haben uns 2011 im gemeinsamen Fußballverein kennengelernt. Wir sind beide sportlich sehr aktiv und gehen aktuell sehr viel wandern. Vici studiert Sport und ich bin Berufsschullehrerin. Uns verbindet vor allem die Begeisterung für die Natur und die Ruhe, die man dort hat.

Eine Wanderung von Wiesbaden nach Wilhelmshaven, eine Länge von 500 km und das in nur 16 Tagen. Wie seid Ihr auf die Idee dazu gekommen, weshalb diese Strecke und warum macht Ihr das?

Nach einer für mich sehr schmerzhaften Trennung zu Beginn des Jahres wollte ich eigentlich im Juli den Jakobsweg laufen, um die Trennung zu verarbeiten und wieder zu mir selbst zu finden. Aufgrund von Corona war dies dann nicht mehr möglich und da ich unbedingt ans Meer und wandern wollte entstand die Idee, eben von Zuhause aus ans Meer zu laufen. Der Weg ist unser Ziel, zumindest hoffe ich, damit Altes hinter mir lassen zu können und frei für Neues zu werden.

Bei Instagram habt Ihr einen eigenen Hashtag und ein Profil für Eure Aktion eingerichtet. Bereits über 1.000 Follower konntet Ihr für Euer Vorhaben begeistern. Wie habt Ihr die Reaktionen der Menschen empfunden? Wie verhalten Sie sich Euch gegenüber und was interessiert sie an Euch?

Die Resonanz in den sozialen Medien ist überwältigend. Wir haben so viel positives Feedback und persönliche Einladungen erhalten, wenn wir die alle annehmen würde, kämen wir niemals in Wilhelmshaven an ;-) Vor allem mir sprechen die Menschen Mut zu und drücken ihre Anteilnahme aus. Ich glaube, fast jeder Mensch hatte schon einmal Liebeskummer und die Menschen können aufgrund meiner ehrlichen und offenen Texte sehr gut nachempfinden, wie es mir geht. Insgesamt finden sie die Aktion aber auch einfach toll und viele würden gerne Ähnliches machen, aber haben es bisher nie getan. Durch uns können sie ihre eigenen Träume vielleicht etwas miterleben.

Ihr müsst jeden Tag rund 30 km zu Fuß schaffen. Wie habt Ihr Eure Strecke geplant? Wo übernachtet Ihr?

Wir haben die Strecke mit einer Wander-App „geplant“, d.h. wir haben Start und Ziel eingegeben, mehr nicht. Wir wollen alles auf uns zukommen lassen, auch die Übernachtung. Wir schauen abends wo wir angekommen sind und wo wir übernachten können. Im Notfall haben wir Zelt und Schlafsack dabei.

Wie kann man sich Euren Wanderalltag vorstellen? Werdet Ihr Euch unterhalten oder jeder für sich Musik hören? Habt Ihr Angst, dass Euch eventuell die Gesprächsthemen ausgehen werden?

Wir haben eigentlich immer etwas zu reden, können aber auch super stundenlang gemeinsam schweigen. Gerade jetzt den Weg wollen wir ja schon beide auch zum Nachdenken nutzen und uns mit uns selbst auseinandersetzen, sodas „Stille“ ein großes Thema sein wird. Wir haben aber auch immer eine Box dabei, um Musik oder diverse Podcasts anzuhören und hinterher darüber zu diskutieren. Sonst haben wir vor, jeden Tag gemeinsam zu meditieren und das Leben in der Natur zu genießen.

Das Thema Sicherheit ist bei so einem Unterfangen natürlich auch wichtig. Zwei Frauen alleine unterwegs - macht Ihr Euch da keine Sorgen?

Doch schon ein wenig. Gerade wenn es darum geht, nachts irgendwo zelten zu müssen. Für den Notfall haben wir Pfefferspray dabei und eine Kontaktperson, die jederzeit weiß, wo wir genau sein werden.

Was werdet Ihr als Erstes machen wenn Ihr in Wilhelmshaven angekommen seid?

Den Rucksack abwerfen, die Schuhe ausziehen, vor Freude durch die Luft springen und dann irgendwo ein eiskaltes alkoholfreies Radler trinken. Und wenn wir uns kurz erholt haben, natürlich die Stadt anschauen.

Wie kommt Ihr wieder zurück?

Zurück geht es mit dem Zug.

Was erhofft Ihr Euch von dieser Aktion? Mit welchen Zielen und Erwartungen geht Ihr auf die Wanderung?

Einerseits natürlich, meinen Liebeskummer zu überwinden, aber ich denke wir beide hoffen, ein Stück weit gelassener zu werden, zu lernen, das Leben zu nehmen wie es kommt. Ohne große Planung, einfach mal die Kontrolle abzugeben, loszulassen. Auch das Annehmen von Hilfe ohne Gegenleistung ist ein Thema für uns, also tatsächlich auf ein Übernachtungsangebot zurückzugreifen ohne sich dabei schlecht zu fühlen. Minimalismus ist auch ein Thema, noch nie sind wir mit so wenig Gepäck verreist, das ist für uns beide eine große Herausforderung. Für diese Tour müssen wir ein riesen Stück raus aus unserer Komfortzone und zwar in jeglicher Form und gewinnen dadurch hoffentlich jede Menge Selbstvertrauen.

Vielen Dank für das Gespräch. Wir werden uns kurz vor dem Ziel noch einmal treffen und über die Erlebnisse und Erfahrungen sprechen. Wer virtuell die beiden auf ihrer Reise begleiten möchte, kann das auf Instagram unter https://www.instagram.com/happiness_in_progress2020/ tun.

Das Interview führte Jesco von Moorhausen.

Jade-Weser-Zeitung.de

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