Borkenkäfer: Waldbesitzer sind mehrfach gebeutelt

Fangsystem TrinetOldenburg. Nach dem für Waldbesitzer verheerenden Jahr 2018 macht der Borkenkäfer weiterhin Probleme. Im von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen betreuten Privatwald (etwa 400.000 Hektar) wurden auf rund 4.000 Hektar Schäden durch den Schädling gemeldet. Die Bezirksförster der Kammer sehen in diesem Wert eine eher vorläufige Schätzung. Sie rechnen mit weiteren gemeldeten Schäden, die erst in diesem Jahr festgestellt werden.

Das starke Auftreten der Borkenkäfer hat zwei Ursachen: zum einen die durch die Trockenheit geschwächten Bäume sowie der durch Sturm verursachte Holzbruch. Beides bietet den Schädlingen ideale Bedingungen für eine starke Vermehrung. So wurden im vergangenen Jahr oft drei Generationen der Schadinsekten statt der sonst üblichen zwei festgestellt.

Aktuell ist die erste Generation in den Wäldern angelegt. Befallen sind überwiegend Fichten mit noch grüner Krone. Die Waldbesitzer und Förster reagieren darauf, in dem sie diese Bäume aus den Beständen entnehmen und damit einen Ausflug der Käfer verhindern. Da hier vielfach Einzelbäume befallen sind, ist eine Angabe der betroffenen Fläche nur schwer möglich. Die Kammerfachleute gehen davon aus, dass in allen Befallsflächen des Vorjahres wieder starke Schäden eintreten werden.

Zur weiteren Bekämpfung der ersten Generation Borkenkäfer wurden im Nichtstaatswald in Niedersachsen 6.600 Fangsysteme vom Typ Trinet P aufgestellt. Sie wurden vorwiegend an den Rändern der im Vorjahr mit Borkenkäfern befallen Flächen platziert und vom Land Niedersachsen finanziert.

Viele Fichten- und Lärchenpolter konnten aufgrund der großen Menge nicht zeitnah aus dem Wald abgefahren oder entrindet werden. In solchen Fällen wird aus Gründen des Waldschutzes empfohlen, die Polter mit einem Insektizid zu behandeln. Dazu bringen fachlich Geschulte das Präparat in geringer Konzentration ausschließlich auf die äußeren Flächen der Holzpolter auf.

Die Waldbesitzer sind durch die Borkenkäferplage mehrfach getroffen: Sie haben erhöhte Aufwendungen für die Holzentnahme der befallenen Bäume und höhere Kosten für die Wiederbewaldung der geschädigten Flächen und den Waldschutz. Hinzu kommen erhebliche Mindereinnahmen beim Holzverkauf. Sturm und Käfer haben in ganz Mitteleuropa zu einem Überangebot auf dem Holzmarkt führten. Dadurch sanken die Nadelholzpreise um 30 Prozent und mehr. Viele Waldbesitzer beklagen Liquiditätsengpässe, die ihre Handlungsfähigkeit bei der Waldpflege einschränken.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat in enger Abstimmung mit der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt die App „WaldKat mobile“ entwickelt. Mit dieser App können erstmalig für den Privatwald in Niedersachsen Schäden direkt im Wald aufgenommen und gemeldet werden. Voraussetzung dafür ist der Einsatz eines Smartphones oder Tablets. Neben der technischen Ausrüstung sind auch Grundkenntnisse der Schadenserkennung, zum Beispiel Bohrmehl beim Borkenkäfer, notwendig.

Die Mitarbeiter in den Bezirksförstereien der Landwirtschaftskammer sind ein wichtiger Anwenderkreis dieser App. Sie können die Informationen auf ihr eigenes mobiles Endgerät, aber auch auf die Mobilgeräte ausgewählter weiterer Personen übertragen. Dazu gehören zum Beispiel Waldläufer, die bei der frühzeitigen Erkennung von Waldschäden helfen.

Alle mit der App erhobenen Meldungen werden zunächst an die Plattform der Landwirtschaftskammer Niedersachsen geschickt, auf die nur die forstlichen Kammermitarbeiter Zugriff haben. Erst nach deren Bestätigung werden die Daten in das Waldschutz-Meldeportal eingestellt.

Die App wurde zunächst in den Hauptschadensgebieten eingesetzt. Mittlerweile sind alle forstlichen Dienststellen der Landwirtschaftskammer damit ausgestattet. Die Erstellung der App wurde durch das Niedersächsische Forstministerium finanziert.