Kommentar - Mark Knopfler dreht in Hamburg die Zeit zurück

markknopfler2Hamburg. „Pünktlich“ – so steht es bereits auf der Eintrittskarte. Pünktlich um 19.30 Uhr beginnt in der Barclaycard-Arena in Hamburg das Konzert von Mark Knopfler und seiner Band. Und um fünf Minuten nach Halb stehen sie auch alle auf der Bühne. Elf Mann, alles virtuose Musiker, was sie gleich in den ersten Sekunden beweisen. Denn was mich trifft ist eine riesige Fläche an Musik, ein immenser Druck, der mir die Haare und meine Mundwinkel nach hinten schießt. Ich war schon einmal auf einem Mark Knopfler Konzert. Es war gut, aber das hier erinnerte eher an eines der guten alten Dire Straits Konzerte, als die Band noch Stadien füllte.

Mitte der 90er eröffnete die Band immer mit dem Song „Calling Elvis“. Das hatte einen Grund, denn auf langes Abmischen vor dem Konzert hatte keiner der Musiker große Lust. Also erledigte man es beim ersten Song, denn da waren alle gefordert. Dieses Mal ist es „Why Aye Man“ von seinem dritten Soloalbum „Ragpieker´s Dream“, was 2002 erschien. Ähnlich gestrickt wie „Calling Elvis“, rockig, flächig, mit Gänsehautfaktor. Nicht alle Instrumente stimmen in ihrer Lautstärke und es wir nachgeregelt. Spätestens beim zweiten Stück „Corned Beef City“ passt alles. Und es geht rockig weiter. Erst einmal ein Zeichen setzen, dass Mark Knopfler nicht ein alter und ruhiger Rentner ist, sondern ein 69jähriger Musiker, der Musikgeschichte geschrieben hat und immer noch dabei ist - auch wenn er in den Pausen zwischen den Songs teilweise etwas unbeholfen wirkt, wenn er seine Ohrstöpsel wieder richtet. An der Gitarre ist davon nichts zu merken. Sicher, präzise, gefühlvoll und absolut virtuos setzt er jeden Ton an die richtige Stelle. Mark Knopfler zählt nicht umsonst zu den besten Gitarristen der Welt.

Mit Gänsehaut geht es weiter. „Sailing to Philadelphia“, einer der schönsten Balladen, die Mark Knopfler schrieb, lässt dem Publikum eine kleine Atempause, bis dann plötzlich der Flashback einsetzt. Als die ersten Töne von „Once upon a time in the west“ erklingen rastet die Barclaycard-Arena aus. Das Publikum, teilweise noch älter als der Musiker auf der Bühne, jubelt frenetisch. Gleich danach die Dire Straits Hymne „Romeo and Juliet“, bei der Mark Knopfler zu einer wundervollen Dobro-Gitarre greift.

Danach geht es durch die Musikstile der Welt. Folklastig, plötzlich eine mexikanische Trompete, dann einen Walzer mit „Heart full of Holes“. In der Abwechslung aber immer ein fester Bestandteil nimmt dieses unvergleichliche Gitarrenspiel und die markante Stimme ein. Somit drückt Mark Knopfler jedem Stück seinen Stempel auf. Freudig wechselt er seine Gitarren, erzählt freimütig von früher, als er nur eine hatte und mit ihr von Dorf zu Dorf trampte.

Mark Knopfler ist an diesem Abend nicht allein. Seine Musiker, allesamt Vollprofis in jedem Alter bringen den alten Dire Straits Sound mit. Bläser, Gitarren, traditionelle Folkinstrumente, Keyboards, Schlagzeug, Percussions – es wird alles aufgefahren. Mit dabei ist Guy Fletcher, der die Keyboards bereits bei Dire Straits spielte.

Der Saxophonist stellt sich an den Bühnenrand. Alle Fans wissen, was jetzt kommt. „The Latest Trick“. Dire Straits war nicht nur Mark Knopfler mit seiner Gitarre. Es waren alle Musiker, vor allem Saxophon. Dieses nimmt Mark Knopfler auch in seiner Solokarriere mit. Bei ihm kann jeder zeigen, was in ihm steckt.

Mit „Speedway at Nazareth“ endet das Konzert offiziell. Aber da fehlt doch noch was. Die Zugabe, die lautstark eingefordert wird. Und die Band kommt wieder. „I want my MTV“ haucht Guy Fletcher zu Keyboardakkorden in das Mikrophon. Mark Knopfler kommt mit seiner Gitarre auf die Bühne und beginnt das vielleicht bekannteste Gitarrenriff. „Money for Nothing“ und das Publikum kann sich nicht mehr halten. Sitzplätze? Durchgestuhlt? Nein, jetzt stürmen wir zur Bühne. „Das ist ja wie früher“ freut sich eine ältere Frau neben mir. Und genauso wie früher beendet Mark Knopfler dieses Konzert mit „Going Home: Theme from Local Hero“.

Jesco von Moorhausen