Zu wenig Pflegekräfte und Anbieter auf dem Land, um Entlastungsbetrag einzusetzen

pflege ambulantBrake. Viele ältere Menschen möchten ihren Lebensabend so lange wie möglich zu Hause verbringen. Aktuell kündigt die Politik Hilfen an. Das Sozialgesetzbuch sieht dabei zur alltäglichen Unterstützung den „Entlastungsbetrag“ vor. Doch der wird kaum abgefordert. Jürgen Bley, Vorsitzender des SoVD-Kreisverbandes Wesermarsch: „Es ist gut, die ambulante Pflege auf dem Land zu fördern. Doch schon beim Entlastungsbetrag sieht es so aus: Die Idee ist gut, die Praxis nicht. Es fehlen Anbieter, um die Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch, weil die Arbeitsbedingungen eng sind.“

Seit Anfang 2015 steht zu Hause betreuten Menschen ab Pflegegrad 1 ein Etat für zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen zu. Dieser Entlastungsbetrag ist gedacht, um sich im Alltag helfen zu lassen oder um pflegende Angehörige zu entlasten. Gardinen abnehmen und Waschen, Einkaufen, sich zum Ergotherapeuten begleiten lassen – dafür stehen 125 Euro jeden Monat – zweckgebunden - bereit. Demenzkranke profitieren von dieser „niedrigschwelliger“ Betreuung, indem sie mentale Fähigkeiten stärken. Menschen mit körperlichem Handicap trainieren ihre Mobilität. Der Entlastungsbetrag wird allerdings nicht bar ausgezahlt, sondern muss vorgestreckt werden. Die Pflegekasse zahlt zurück. Doch nicht nur dieser Zahlungsvorgang führt offenbar dazu, dass der Entlastungsbetrag selten genutzt wird.

„Gerade auf dem Lande in der Wesermarsch fehlen Anbieter, die zertifiziert sind und überhaupt Hilfen im Alltag erbringen können“, sagt Bley. Dazu komme der Mangel an Pflegekräften, der wiederum der geringen Bezahlung, der Belastung und der mangelnden Wertschätzung geschuldet sei. „Es ist höchste Zeit, den Mindestlohn für Pflegeberufe anzuheben“. Bley verweist darauf, dass Pflegedienste kaum Personal haben, um über die Pflege hinausgehende Unterstützungsleistungen zu erbringen. „Die Politik muss nicht nur über die Situation der Pflege allgemein nachdenken. Sie kann, auch mit ersten Maßnahmen Abhilfe schaffen, indem sie etwa die Hürden der Zertifizierung überdenkt, die Anbieter von Unterstützungsleistungen überwinden müssen.“