• Font size:
  • Decrease
  • Reset
  • Increase

Kunst ist die Antwort - Arne Nobel im Interview

arne4 aElsfleth. Fernsehfilme, Bühnenauftritte und über Jahre hinweg Theaterintendant des mit Preisen überschütteten und hoch gelobten Rottstraßen-Theaters in Bochum - Arne Nobel ist ein Tausendsasser im Kunstbereich. Vor einem Jahr ließ er alles hinter sich und kehrte in seine alte Heimat Elsfleth zurück. AQuadrat-Chefredakteur Jesco von Moorhausen sprach mit ihm über fremde Betten, die Liebe zum Wasser und warum es nur eine Antwort geben kann: Kunst!

JvM: Arne, einfach Frage zu Anfang: Wie geht es Dir und was gibt es Neues?

Arne Nobel: Mir geht es gut. Ich bin wieder zu Hause angekommen. Ich komme gerade von einem Dreh für den Kurzfilm „Verhandlungssache“, in dem ich die Hauptrolle spiele. Jener wird im Februar nächsten Jahres in ausgewählte Kinos kommen.

JvM: Darfst Du verraten, um was es bei dem Film geht?

Arne Nobel: Ja, es geht um das Thema Organhandel, aber ´mal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Ich spiele einen Vater namens Ralf Rumold, der eine Niere für seinen Sohn benötigt. Der Film wirft die Frage auf, wie weit ein verzweifelter Vater gehen und ob er zu illegalen Mitteln greifen würde - so eine Art Pakt mit dem Teufel. Es ist ein sehr hartes Thema und eine spannende Geschichte. Selten mittlerweile im deutschen Film.

arne1 aJvM: Höre ich da Kritik heraus? Wie stehst Du zur aktuellen Filmwelt?

Arne Nobel: Ich gehe kaum noch ins Kino. Es lohnt auch nicht, da nur noch die „xte“ Fortsetzung von Blockbustern verfilmt wird. Mir fehlen die Autorenfilme, Streifen, die Geschichten erzählen und in die Tiefe gehen. Aber ich bin sowieso eher der Theatermensch.

vM: Fünf Jahre verkörpertest Du den Ben Gun in der spektakulären Open-Air Aufführung „Piraten“ in Grevesmühlen und standest zusammen mit der Familie Semmelrogge auf der Bühne. Wieso jetzt nicht mehr?

Arne Nobel: Es war eine schöne Zeit. Ich habe tolle Menschen dabei kennen gelernt. Dustin Semmelrogge hat mit mir hier schon in Elsfleth zusammen eine Actionlesung gemacht. Ich habe Reiten, Kämpfen und privat Surfen gelernt, aber es gab einen Punkt, an dem ich aufhören musste. Es gab anderes, was auf mich wartete.

JvM: Deine Heimkehr nach Elsfleth, oder?

Arne Nobel: Ja, dieser Schritt hat sich angekündigt. Ich verließ das Rottstraßen-Theater in Bochum und andere Projekte. Dennoch kam ich nicht wirklich zur Ruhe. Ich lebte in allen deutschen Großstädten, außer Stuttgart (lacht), jede Nacht lag ich in einem anderen Bett, 23 Jahre lang. Es wurde Zeit für eine Heimkehr.

JvM: Und für ein Kunstatelier...etwas ganz anderes.

Arne Nobel: Im Grunde nicht, denn alles das ist Kunst und ich liebe und lebe für Kunst. Kunst ist die Antwort auf alles. Deswegen gab ich dem Atelier auch den Namen „Kunst 42“. Leser vom Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ werden die Anspielung verstehen. Hier möchte ich zur Ruhe kommen, kreativ arbeiten, malen, schreiben und mit Leuten kommunizieren.

JvM: Aber wieso ausgerechnet ein Atelier und warum ausgerechnet in Elsfleth? Die Stadt ist ja nicht gerade bekannt als Mekka für Kunstliebhaber.

Arne Nobel: Darum geht es auch nicht. Elsfleth war für mich die erste Wahl, weil es der Ort ist, in dem ich aufgewachsen bin und es gibt hier noch kein Kunstatelier. Das ist für mich schon ´mal ein Alleinstellungsmerkmal (lacht). Hier kann ich Menschen ebenso für Kunst begeistern - fernab von roten Teppichen und Galadinners. Es ist hier alles ehrlicher. Es ist ein total schönes Gefühl, Leute, die sich sonst nur Ikeabilder an die Wand hängen, dafür zu begeistern, sich einen echten Nobel hinzuhängen. Genauso einen Fall hatte ich vor ein paar Tagen. Da kam eine Frau zu mir, die gleich sagte, dass sie von Kunst keine Ahnung hat aber einfach ´mal schauen wollte. Sie nahm ein Bild gleich mit. Kunst ist für jeden und nicht nur für Experten. So soll es und darf es nur sein.

arne3 aJvM: Es geht aber ja nicht nur um den Verkauf von Bildern.

Arne Nobel: Richtig, es geht um Kunst. Kunst ist Chef. Wenn man einen Plan hat, fängt Kunst an der Stelle an, an der man den Plan über Bord wirft. Ich möchte mit diesem Atelier einen Ort schaffen, an dem man sich trifft, über Kunst redet, Kunst genießt, Kunst auf sich einwirken lässt. Ich habe zwei Schützlinge, eine 18, die andere 20 Jahre alt. Mir macht es Spaß zu sehen, wie sie sich in jungen Jahren bereits dafür begeistern und selbst Kunst schaffen. Einmal im Monat biete ich solo oder mit Kollegen eine Veranstaltung an. Das können Actionlesungen, szenische Darstellungen oder anderes sein. Wie es mir gerade passt und worauf ich Lust habe. Und das ist es. Ich habe wieder Lust auf Kunst.

JvM: Gibt es denn große Unterschiede in der Kunst zwischen einer Großstadt wie München, in der Du einige Zeit gelebt hast und Elsfleth?

Arne Nobel: Die wollen hier immer Segel haben (lacht!). Elsfleth ist halt eine maritime Stadt und die Leute hier lieben maritime Dinge. Schifffahrt, Hafen und das Wasser sind hier eng mit der Bevölkerung verbunden. Das spiegelt sich in der Kunst wider. Maritim ist die Keule. Da kommt man nicht dran vorbei. Für abstrakte Kunst gibt es dennoch viele Liebhaber.

JvM: Was magst Du denn an Elsfleth, am Oldenburger Land, an dieser Region so sehr?

Arne Nobel: Die Nähe zum Wasser. Man ist in fünf Minuten zu Fuß am Wasser. Freud nennt das ein ozeanisches Gefühl. Für mich ist Wasser lebendig. Es flüstert, es denkt, es handelt. Und es hat die Kraft, meinen Geist zu beruhigen, manchmal aber auch ihn zu erschrecken. Andere denken sicherlich so über Berge, aber ich bin Norddeutscher.

JvM: Bist Du denn froh Norddeutscher zu sein?

Arne Nobel: Ach, ich mag auch die Südsee und das Mittelmeer (zögert). Nein, ich bin nicht froh Norddeutscher zu sein. Ich fühle mich eher als alter Grieche. Mir fehlt hier die südländische Lässigkeit. Vielleicht liegt es am Wetter (lacht).

JvM: Grieche also. Das spiegelt sich ja auch in Deiner Begeisterung zu Homer wider.

Arne Nobel: Ja, ich habe vier Teile einer szenischen Darstellung über Troja geschrieben. Es geht auch um Odysseus und seine Heimkehr. Die Handlung ist allerdings in die Neuzeit transportiert und arbeitet die Ereignisse um und nach den 11. September auf. Es ist ein Zeitalter der Angst, in dem wir leben. Mit Angst werden Geschäfte gemacht. Versicherungen werden verkauft, weil Angst geschürt wird. Auch der Wahlkampf baut immer nur auf Ängste auf. Ich möchte mich davon distanzieren und mich Problemen mit Kunst stellen. Die Geschichte um Odysseus ist 4.000 Jahre alt. Das bleibt. Politiker und politische Systeme kommen und gehen. Geschichten aber bleiben.

JvM: In „Die Heimkehr des Odysseus“ zieht sich der Seefahrer mit einer letzten Flasche Ouzo zurück und hat keine Lust mehr auf rote Teppiche und Galadinners. Steckt da auch ein bißchen Arne Nobel drin?

Arne Nobel: Ja, auf jeden Fall. Back to the roots, zurück zu den Wurzeln und sich besinnen. Das Leben ist ein Fluss und ich wollte zurück an jenen.

arne2 aJvM: Und an Ideen mangelt es Dir ja nicht. Du bist neben Atelierbesitzer auch Verleger.

Arne Nobel: Zusammen mit einer Kollegin mache ich den Verlag Osburg & Nobel. Wir haben jetzt das Hörbuch „Ben Gun Begins“ heraus gebracht. Auch gibt es eine CD mit Geschichten von Flüchtlingen. „Von hier aus Bochum schicke ich Dir einen Gruß“ heißt sie. Zudem gibt es ein Buch mit japanischen Gedichten, so genannten „haikus“. Momentan arbeiten wir an einer CD mit Shakespeare-Reden, die von bekannten Schauspielern eingesprochen werden. Das werden tolle Leute dabei sein. Und wir wollen das Genre des Musikvideos wieder aufleben lassen. Zusammen mit der Bochumer Band „Leeland P.“, für die ich die Musiktexte schreibe, wird eine DVD auf den Markt kommen.

JvM: Du bist künstlerisch extrem breit aufgestellt wie man merkt. Was macht denn Arne Nobel in seiner Freizeit, die er sich jetzt wieder erarbeitet hat?

Arne Nobel: Ich besuche gerne Ausstellungen und lasse mich inspirieren....und ich spiele wieder Handball, 3. Herren im ETB. Als Schüler habe ich schon viel gespielt und es macht wieder irre Spaß. Das hat mir gefehlt.

Vielen Dank für das Gespräch. Wer mehr erfahren möchte, kann die Homepage www.verlag-on.de besuchen und sollte auf jeden Fall in Elsfleth das Atelier „Kunst 42, Steinstraße 24 besuchen.

Jade-Weser-Zeitung.de

Folge uns auf

facebookFollow JWZeitung on Twitter

Style Sitting

Fonts

Layouts

Direction

Template Widths

px  %

px  %