Hier tut sich etwas: Oldenburgs Stadtentwicklung bleibt dynamisch. (Foto: Mittwollen und Gradetchliev)

Oldenburg. Wo lebt es sich am besten in Deutschland? Dieser Frage geht ein Großstädte-Vergleich nach, den das Institut IW Consult zusammen mit der Online-Plattform ImmoScout 24 und dem Magazin Wirtschaftswoche gezogen hat. Unter 71 kreisfreien Städten mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern wurde ein Ranking für das Jahr 2023 erstellt, bei dem 71 verschiedene Indikatoren aus den Bereichen Arbeitsmarkt, Wirtschaftsstruktur, Lebensqualität, Immobilienmarkt sowie Nachhaltigkeit Berücksichtigung fanden. Im Vergleich zum Vorjahres-Ranking konnte die Stadt Oldenburg ihre Bewertungen weitgehend bestätigen: In der Dynamik-Rangliste zählt Oldenburg weiterhin zu den Top 10-Städten Deutschlands, büßte aber zwei Plätze im Vergleich zu 2022 ein (8. Rang). Aufwärts ging es in Sachen Nachhaltigkeit: Hier konnte die Huntestadt drei Plätze gutmachen und landete diesmal auf Rang 24. Drei Plätze nach unten ging es hingegen im Niveauranking (Platz 30 statt Platz 27 im Vorjahr).

Das sagt der Oberbürgermeister

„Ich freue mich, dass die insgesamt positive Entwicklung anhält“, kommentiert Oberbürgermeister Jürgen Krogmann die Bewertungen. „Wir sind in vielen wichtigen Bereichen in der oberen Tabellenhälfte angesiedelt und haben uns teilweise sogar in der Spitzengruppe etabliert. Es wird einmal mehr deutlich, dass Oldenburg ein starker Wirtschaftsstandort ist, der gleichzeitig ein hohes Maß an Lebens- und Wohnqualität zu bieten hat.“

Dynamik

Im Dynamikranking (Fünf-Jahresentwicklung) punktete Oldenburg mit den Entwicklungen des Arbeitsmarktes (Rang 3), der Lebensqualität (Rang 13) und der Wirtschaft (Rang 15). Rückläufig hingegen war die Entwicklung des Immobilienmarktes (Rang 65). Hier zeigt sich allerdings auch, dass so manche hintere Platzierung nicht immer schlecht sein muss: So belegt Oldenburg bei der Veränderung der Mietpreise von 2018 bis 2023 mit einem Anstieg von 11,9 Prozent pro Quadratmeter nur Platz 55. Spitzenreiter ist hier Berlin mit einem Plus von 41,6 Prozent. Gut im bundesweiten Vergleich schneidet Oldenburg in Sachen Arbeitsplatzversorgung ab: Im Betrachtungszeitraum 2017 bis 2022 wuchs der Anteil der Beschäftigten unter den Erwerbsfähigen zwischen 15 und 65 Jahren um 4,3 Prozent (Rang 9). Überhaupt hat die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zugenommen, nämlich um 12 Prozent – das ist Platz 11 unter den deutschen Großstädten. Bei der Einwicklung der Einwohnerzahl seit 2017 landet Oldenburg mit einem Plus von 3,4 Prozent ebenfalls auf Rang 11.

Niveau

Im Niveauranking schaffte es Oldenburg in allen vier Teilbereichen unter die 30 besten Städte (Platz 11 für die Lebensqualität, Platz 25 für den Immobilienmarkt, Platz 29 für den Arbeitsmarkt und Platz 30 für die Wirtschaft). Nachfolgend eine genauere Betrachtung einzelner Kategorien:

  • Wohnen

Eine Spitzenplatzierung gibt es für die Vermarktungszeit je Mietwohnung, die für Oldenburg mit acht Tagen ermittelt wird. Mit diesem Wert teilt sich Oldenburg in dieser Kategorie gemeinsam mit zehn weiteren Städten Platz zwei hinter Berlin (sieben Tage). Auch bei der Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen (13,2 je 1.000 Bestandswohnungen/Platz 5) und bei der Zahl der fertiggestellten Wohnungen (9,9 je 1.000 Bestandswohnungen/Platz 11) mischt Oldenburg vorne mit. Eine große Spannbreite gibt es beim Kaufpreis für Eigentumswohnungen im Bestand. Während München mit 7.381 Euro je m² das teuerste Pflaster ist, liegt Oldenburg mit 2.946 Euro je m² im Mittelfeld (Platz 40), am günstigsten ist Chemnitz mit 1.547 Euro je m². Gleiches Bild bei den Mietpreisen pro Quadratmeter: München ist Spitzenreiter mit 19,2 Euro, Oldenburg rangiert auf Rang 40 mit 8,8 Euro, Chemnitz ist Schlusslicht mit 5,8 Euro. Zudem wohnt man in Oldenburg großzügig: Mit einer Wohnfläche von 49,1 m² je Einwohnerin beziehungsweise Einwohner rangiert die Stadt auf Platz 2.

  • Bildung

In Sachen Bildung gibt es folgende Werte: Oldenburg hat einen relativ hohen Anteil an Schulabgängerinnen und Schulabgängern mit Hochschulzugangsberechtigung (48,4 Prozent/Rang 11) und eine eher niedrige Schulabgängerquote ohne Hauptschulabschluss (5,2 Prozent/Rang 18).

  • Arbeitsmarkt/Wirtschaft

Beim Arbeitsmarkt-Vergleich fällt Oldenburg mit einem hohen Anteil an Auszubildenden an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf (5,2 Prozent/Rang 2), während der Anteil der Beschäftigten unter allen erwerbsfähigen Einwohnern von 15 bis 65 Jahren mit 68,1 Prozent mittelmäßig ist (Rang 39). Mit 44.804 Euro als Entgelt je Arbeitnehmer ist Arbeit in Oldenburg vergleichsweise günstig (Rang 19) – am teuersten ist sie in Wolfsburg mit 74.750 Euro.

Oldenburg zeigt sich im Städte-Check als attraktiv für neues Gewerbe – Rang 17 im Saldo aus Gewerbean- und -abmeldungen (1,9 je 1.000 Einwohner) bestätigt das. Rang 19 belegt Oldenburg bei den Unternehmensgründungen (33,4 je 10.000 Erwerbsfähige). Gut sieht es bei Zukunftsjobs aus: Der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in wissensintensiven Dienstleistungen beträgt 33,3 Prozent (Rang 12).

  • Gesundheit

Bei regionalen Verteilung der Ärzte schneidet Oldenburg mit 281,9 Ärzten je 100.000 Einwohner gut ab (Rang 15), die Anzahl der Krankenhausbetten je 100.000 Einwohner (94,7/Rang25) ist durchschnittlich.

  • Kinderbetreuung

Gute Werte gibt es für die Kita-Versorgung: Beim Anteil der betreuten Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren liegt Oldenburg mit 95,2 Prozent auf Rang 12. Bei Kindern unter drei Jahren sind es 42 Prozent und Rang 14 – unter westdeutschen Großstädten ist das der viertbeste Wert, in den Top 10 sind ausschließlich ostdeutsche Städte platziert.

  • Kriminalität

Verglichen wurden auch die Straftaten je 100.000 Einwohner: Oldenburg zählt mit 7.626 Straftaten zu den sichereren Flecken Deutschlands, Schlusslicht Frankfurt kommt auf 14.317 Taten, am sichersten ist es demnach in Fürth (4.028 Taten). 

  • Sonstiges

Die Top 10 erreicht Oldenburg bei der durchschnittlichen Pkw-Fahrzeit vom Zentrum zur nächsten Autobahnanschluss-Stelle (3,0 Minuten/Platz 10).

Schwächen im Niveauranking werden der Huntestadt bei den Gästeübernachtungen je Einwohner (2,1), was auf fehlende Hotelkapazitäten zurückzuführen ist, und in der Produktivität (71.497 Euro Bruttoinlandspunkt je Erwerbstägigen) attestiert – beides bedeutet Rang 49.

Nachhaltigkeit

Der Nachhaltigkeitsindex sieht Oldenburg auf den Plätzen 18 (Ökonomie), 28 (Soziales) und 41 (Ökologie). Hier einige ausgewählte Bereiche:

Gute Platzierungen erreicht Oldenburg bei der Glasfaserversorgung (68 Prozent der privaten Haushalte/Rang 3), der installierten Solarleistung (327,7 kW je 1.000 Einwohner/Platz 11), der installierten Windleistung (91,4 kW je 1.000 Einwohner/Platz 15), der Zahl der Forschungsinstitute im MINT-Sektor (52,1 je eine Million Einwohner/Rang 8) und bei der durchschnittlichen Abfallmenge (307,9 Kilo je Einwohner/Rang 12).

Den drittletzten Platz im Ranking belegt Oldenburg beim Anteil fertiggestellter Wohngebäude mit nachhaltiger Heizenergie (26,4 Prozent/Rang 69) – der Abstand zu Spitzenreiter Bottrop (96,1 Prozent) bietet noch reichlich Luft nach oben. Ebenfalls recht weit hinten (Platz 61 von 71) liegt die Huntestadt in der Kategorie „Luftliniendistanz zur nächsten Haltestelle des ÖPNV“ (in Oldenburg sind es laut Städtetest 229 Meter). Eine Top 10-Platzierung liegt in dieser Kategorie allerdings nur 55 Meter entfernt.